Video: Mahnwache zum 2. Fukushima-Jahrestag

Sabine von der Beck, unsere Direktkandidatin für den Bundestag, hielt gestern die Rede bei der Mahnwache auf dem Europaplatz.

Hier ihre Rede:

Wir versammeln uns hier zu einer Mahnwache,  um unsere Bestürzung,  unser Mitgefühl und unsere Trauer über die Reaktorkatastrophe von Fukushima zum Ausdruck zu bringen.
Und weil wir uns solidarisieren wollen mit tausenden Demonstranten, in Japan und der ganzen Welt, die wie wir den unumkehrbaren Ausstieg aus der Atomenergie fordern.

Vor genau zwei Jahren, am 11. März 2011, passierte, was angeblich höchst unwahrscheinlich sein sollte: das starke  Erdbeben und der nachfolgender Tsunami wären an sich schon Katastrophe genug gewesen.  Aber erst menschliches Versagen, die Nutzung von Kernenergie, machte aus dieser Katastrophe eine Super-Katastrophe, mit bis heute unabsehbaren Folgen.

Denn die Sicherheitssysteme der Atomkraftwerke in Fukushima  kollabierten. Ungekühlt und unkontrolliert liefen Kettenreaktionen in den Reaktoren – mit gerissenenen Betonmänteln  weiter. Über das, was im Inneren der Reaktoren vorging, konnten die Experten bis heute nur spekulieren. Zu sehen waren zunächst die Becken mit hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen unter freiem Himmel. Später auch zerfetzte Reaktorgebäude.

Wir haben die Fernsehbilder alle noch vor Augen. Mit Feuerwehrschläuchen und Pumpen versuchten Rettungsmannschaften Brennelemente und das Innere der Reaktoren zu kühlen.  Tausende Tonnen  hochradioaktives Wasser flossen  in den Pazifik. Mehrfach wurde radioaktiver Dampf aus den Rektoren abgelassen, um zu verhindern, dass sie platzen. Eine radioaktiven Wolke wurde aufs Meer geblasen, der Rest zog über Japan hinweg. Selbst im 240 Kilometer entfernten Tokio fand sich radioaktives Jod im Trinkwasser.

Die Menschen in Japan sind tief getroffen. Wer im 20-Kilometer-Umkreis um das AKW lebt, musste fliehen. Experten emfahlen eine Ausweitung der Evakuierung auf 80 Kilometer: 1,9 Millionen Menschen wohnten in dieser Zone.  Schätzungen zufolge haben 100. bis 150.000 Menschen nun definitiv ihre Heimat verloren. Das ist etwa so, als wäre Herne von einem Tag auf den anderen nicht mehr bewohnbar geworden. Und zwar für immer. Zurück kommen nach Hause ist bei Strafe verboten.

Wir halten heute eine Mahnwache für ein Ereignis, das leider auch noch nicht vorbei ist. Für ein Ereignis dessen Ende wir nicht absehen können. Niemand weiß, wieviele Opfer Fukushima wirklich haben wird. Denn niemand kann sagen, welche  Langzeitwirkungen die radioaktive Strahlung haben wird. Niemand kann den Müttern sagen, was sie ihren Kindern antun, wenn sie im weiteren Umkreis um den Reaktor wohnen bleiben. Niemand kann den jungen Frauen sagen, welche Risiken sie Kindern mitgeben, die sie vielleicht noch bekommen möchten.  Ein Großteil der Opfer von Fukushima ist möglicherweise noch gar nicht geboren. Immunschwächen, Erbschäden, Krebs – wieviel Leiden steht den Menschen in Japan noch bevor?  Und wieviele Millionen Menschen leben jetzt schon mit dieser fürchterlichen Unsicherheit? 

Das Elend, das mit der Atomenergie einhergeht, ist ebensowenig kalkulierbar wie das Risiko dieser Technologie beherrschbar ist  – und jemals sein wird. Deshalb stehen wir hier und erinnern an die Reaktorkatastrophe von Fukushima. Zwei Jahre nach diesem Ereignis. 27 Jahre nach Tschernobyl. Die Halbwertzeit von Plutonium-239 beträgt 24.000 Jahre.

Noch mehr Zahlen: Nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) sind 437 Atomreaktoren in 30 Ländern in Betrieb. 68 weitere Reaktoren befinden sich gerade im Bau. China kündigte vor kurzem an, das größte Atomkraftwerk der Welt bauen zu wollen. Nach Angaben der World Nuclear Association entstehen schon jetzt Jahr für Jahr 12.000 Tonnen hochradioaktive Abfälle. Die Entsorgungsfrage ist weltweit ungelöst.

Wir fordern Sie auf, stellen Sie sich an unsere Seite. Aus diesem Wahnsinn muss die Menschheit aussteigen! Atomkraft, Nein Danke!  Das Elend der vielen zehntausende Menschen, die in Japan vertrieben wurden, die Verunsicherung von Millionen Menschen das Leide der Menschen rund um Tschernobyl, die Risiken, die weltweit immer dazu  eingegangen werden, sind für uns Verpflichtung zum Handeln.  Lassen Sie uns dafür kämpfen, dass rasch Alternativen gefunden werden.  Auch deshalb muss die Energiewende in Deutschland    energisch weiter vorangetrieben werden. Jeder kann etwas tun. Strom sparen, Strom anders einkaufen, selbst erzeugen, politisch oder auch im privaten Umfeld aktiv werden.

Wir versammeln uns hier zu dieser Mahnwache, um unsere Bestürzung, unser Mitgefühl und unsere Trauer über die Reaktorkatastrophe von Fukushima zum Ausdruck zu bringen. Eine Katastrophe, deren Folgen immer noch nicht absehbar sind.

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