DIE SPUREN DER NS-ZEIT WIRKEN AUCH IN DER GEGENWART – AUSSITZEN HILFT WENIG

In den letzten Tagen wurde in der lokalen Presse sehr viel über die Putzmosaike im Gebäude des ehemaligen Hallenbads Eickel berichtet. Ein Antrag der GRÜNEN FRAKTION im Kulturausschuss mit Bezug zu dieser Thematik wurde abgelehnt. An dieser Stelle eine Einordnung und Kommentar unseres Stadtverordneten PETER LIEDTKE:

Mit Entsetzen haben wir die Ablehnung durch SPD, CDU und AFD unseres Antrags eine öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Nazikunst in Herne“ zur Kenntnis genommen. Inzwischen stellt auch der Herner Künstlerbund die Entscheidung die Putzmosaike von Edmund Schuitz nicht kostspielig zu erhalten in Frage und ignoriert dabei völlig die zumindest fragwürdige politische Haltung des Restaurators und Kirchenmalers.

Edmund Schuitz war definitiv Mitglied des NSDAP, und zwar von 1936-1945. (Parteimitgliedskarte Mitgliedsnummer 3744878 vom 01.08.1936).

In der Entnazifizierungsakte von 1946 wird Schuitz als sog. „nominal Nazi“ bezeichnet. In der Entnazifizierungsakte von 1948 wird er dann der Kategorie IV zugeordnet (Mitläufer). Schuitz ist ohne Not während seiner Lebenszeit in Italien der NSDAP beigetreten. Da er freier Restaurator und Kirchenmaler (vornehmlich für den Vatikan) war und es keinerlei Begründung für seinen Beitritt gab, ist davon auszugehen, dass er dies aus freiem Willen und tiefer Überzeugung gemacht hat.

Was mancher nicht weiß, ist dass die Entnazifizierungsprozesse zu unterschiedlichen Zeiten unter unterschiedlichen Grundbedingungen durchgeführt wurden. 1946 wurde das Verfahren noch vom Military Government of Germany mit dem Ergebnis Schuitz sei ein „nominal Nazi“ durchgeführt. (“M § 10.2 b §5 is proven. He is a nominal Nazi. The Committee agrees with this recommendation an believes this is correct. Result of vote: with unanimous consent. 25.10.1946“).

Am 29.01.1948 wurde dann durch einer voraussichtlich überwiegend mit Laienrichtern besetzten Spruchkammer Schuitz „lediglich“ eine Mitläuferschaft attestiert. „Mit Persilscheinen, die ihnen von (mutmaßlichen) Opfern für die beurteilenden Kommissionen und Spruchkammern ausgestellt wurden, gingen sie in die Politik, Justiz, Verwaltung, Polizei und an die Universitäten zurück; oft auch unter falschem Namen und häufig unter Mithilfe der Netzwerke (Rattenlinien) alter Kameraden oder von „Seilschaften“. So waren zeitweise in den 1950er Jahren mehr als zwei Drittel der leitenden Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes ehemalige Mitglieder der SS.“ (Quelle: wikipedia.de)

PETER LIEDTKE – Stadtverordneter – © Hartmut Bühler

Ist dies der Herner Bevölkerung und dem Herner Künstlerbund so bekannt?

So lange keine wirkliche öffentliche Diskussion über die Nazikunst aber auch über Mitglieder der NSDAP in anderen öffentlichen Stellen in der Vergangenheit geführt wird, vergrößern wir nur ein informatives Vakuum. Nährboden für rechte Kräfte und Parteien, die damit an Zulauf gewinnen. Hier hilft nur öffentliche Information und Diskussion und kein Aussitzen.

Und gerade die SPD, die sich ja lange für den Erhalt der Putzmosaike eingesetzt hatte (SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Eickel Dezember 2017 und Bezirksvorsitzender Adi Plickert noch im August 2021) täte gut daran, sich zu dem Irrtum zu bekennen und dies auch zu begründen. Durch eine Vermischung mit dem Streit um den Erhalt des Hallenbad Wanne-Eickel entsteht zudem eine Verquickung von Dingen, die vornehmlich nichts miteinander zu tun haben. Die besagten Putzmosaike sind Dekorelemente des ehemaligen Hallenbades. Bei einem Abriss würden diese verschwinden. Bei einem Erhalt bleiben. Damit sind diese Werke geradezu eine Einladung zur Instrumentalisierung mit anderen Interessen (Erhalt des Hallenbades).

Von der Tochter des Kirchenmalers Schuitz, Frau Ingeborg Müller-Schuitz stammt die Forderung nach einer sog. Translozierung der Werke „Der Hochzeitszug des Poseidon“ und „Amphitrite“, insofern das Gebäude abgerissen werden sollte. Dieser Erhalt der Werke wäre zusätzlich mit Kosten i.H.v ca. 100.000 € verbunden.

100.000 € sind eine Menge Geld und benötigen eine besondere Rechtfertigung. An welcher Stelle soll man dieses Geld einsparen. Bei den Zuschüssen für Kunst- und Kulturvereinen? Neben der fragwürdigen Urheberschaft der o.g. Werke bleibt nicht zuletzt auch die Frage nach der Qualität der „Kunstwerke“. Hier hat zumindest der Museumsleiter der Stadt Herne Herr Oliver Doetzer Berweger gewisse Zweifel.

Für 100.000 € kann man eine Menge aktueller Kunst fördern oder ankaufen.
Oder man kann zwei Putzmosaike mit fragwürdiger Autorenschaft erhalten.

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